Marco Moser, © unihockey-fotos.ch

Ziel ist der Titel, nichts Anderes

Am Ende der NLA-Playoffs, die für Dietlikon morgen Samstag mit der Halbfinalserie gegen Zug beginnen, wollen die Glattalerinnen ihren sechsten Meistertitel holen. An der Bande steht seit Kurzem der fünffache Meistertrainer Marco Moser.


Mitte Januar kam es für manch Aussenstehende erstaunlich zum Wechsel auf der Trainerbank des Unihockey-Frauen-Spitzenklubs. Die ehemalige Torfrau Laura Tomatis, die das Amt auf die laufende Saison hin übernommen hatte, musste den Posten räumen, obwohl Dietlikon zu diesem Zeitpunkt die NLA-Tabelle anführte. Im Cup-Halbfinal war das Team überraschend an Zug United gescheitert. Für Tomatis sprangen bis Saisonende zwei alte Bekannte ein: ihr Vorgänger Beni Cernela als Assistent sowie Marco Moser als Cheftrainer. Der 41-Jährige hatte die Glattalerinnen von 1999 bis 2010 (mit einer Saison Unterbruch) betreut und zu stolzen fünf Meistertiteln geführt. Vor dem Start der Best-of-5-Serie gegen den frischgebackenen Cupsieger Zug United glaubt der Meistermacher an Titel Nummer 6.

Marco Moser, nach dreieinhalb Jahren Pause leiten sie jetzt wieder täglich Trainings ambitionierter, junger Unhockeyanerinnen und coachen sie in den Meisterschaftsspielen. Bereitet Ihnen die neue, alte Aufgabe denn wieder Freude?

Auf jeden Fall. Ich habe das immer sehr gerne gemacht. Das ist auch jetzt so – auch wenn es eine besondere Situation ist. Ich bin jetzt ja recht spät zum Team gekommen, da kann man mit den Spielerinnen natürlich nicht so viel erarbeiten, wie wenn man ein ganzes Jahr Zeit hat. Aber in die tägliche Traingsarbeit habe ich schnell wieder hineingefunden. Das einzige Problem ist der Zeitfaktor. Neben der Arbeit und der Familie, ich bin ja jetzt Vater, ist der Aufwand schon sehr gross. Zumal ich ja auch nicht in der Nähe von Dietlikon wohne. Darum habe ich auch nur einem zeitlich begrenzten Engagement bis zu Saisonende zugestimmt.Marco Moser, Cheftrainer Damen NLA

Was unterscheidet die aktuelle Dietliker Equipe von den früheren Meisterinnen, etwa den Triple-Siegerinnen von 2008?

Damals hatten wir viele erfahrene Spielerinnen im Kader, die über lange Jahre zusammen gespielt haben, wir hatten damals nur wenige Wechsel im Team. Und sie haben lange unter mir trainiert. Darum haben sie ganz genau gewusst, worauf es ankommt, welchen Einsatz sie leisten müssen, im Training, im Match. Jetzt steht eine andere, junge Generation auf dem Feld. Aber ich weiss nicht, wie es mit ihnen wäre, würde ich länger mit ihnen arbeiten.

Trauen Sie der neuen Generation den Meistertitel schon in dieser Saison zu?

Vom spielerischen Potenzial her mit Sicherheit. Die Frage ist nur, ob sie mental schon so weit ist. In dieser Saison hat das Team in einzelnen Spielen schlecht auf Rückschläge reagiert, zum Beispiel indem es nach einem Rückstand von der taktischen Linie abgewichen sind. Aber ich habe auch in diesem Bereich jetzt schon eine Steigerung festgestellt. Ich denke, wir sind auf gutem Weg, unser Ziel zu erreichen. Und das ist ganz klar der Titel, da gibt es nichts Anderes.

Woran haben Sie denn neben dem Mentalen vor allem angesetzt?

Zum Einen am Abwehrverhalten: Wie stehen wir, wie greifen wir die ballführende Gegnerin an? Zum Andern an spielerischen Elementen und Varianten, die wir neu eingebaut haben. In diesem Bereich sieht man schon jetzt einen grossen Unterschied zu vorher.

Das wird nötig sein. Denn Sie treffen im Playoff-Halbfinal ausgerechnet auf Zug United. Gegen die kämpferisch starken Zentralschweizerinnen tun sich Dietlikons feine Technikerinnen traditionell schwer. was auch die zwei Niederlagen in der laufenden Saison belegen. Zudem tritt Zug mit der Euphorie des Cupsiegs an.

Zug ist sicher eine Knacknuss. Auch und gerade, weil die Playoff-Qualifikation in der letzten Runde und der Cupsieg ihnen Schub geben werden. Darum ist es für uns umso wichtiger, von Anfang an bereit zu sein, damit die Zugerinnen nicht noch weiteren Schub bekommen. Aber ich orientiere mich nicht an den beiden Niederlagen, sondern am recht souveränen 6:2-Sieg, den wir zuletzt in der Meisterschaft, schon unter meiner Leitung, herausgespielt haben.

Wie lautet Ihre Marschroute zum Erfolg gegen Zug?

Wir wissen, dass wir kämpferisch dagegegen halten, in Ballbesitz aber einfach unser Spiel spielen müssen. Auch von der harten – aber fairen – Spielweise der Zugerinnen dürfen wir uns nicht aus dem Konzept bringen lassen. Ausserdem ist Zug ein Team, das nie aufgibt. Eine 20-minütige Sendepause dürfen wir uns darum nicht leisten.

Wenn Sie nicht nur die Halbfinal-, sondern auch die Finalserie als Sieger beenden, bereuen Sie es dann nicht, am Ende der Saison wieder abzutreten und für den bereits verpflichteten Nachfolger Sascha Rhyner Platz zu machen?

Nein, überhaupt nicht. Wie gesagt, liegt aus zeitlichen Gründen nicht mehr drin für mich. Wenn wir den Titel holen, wäre das wunderschön, dann würde ich mich freuen und dem Team viel Erfolg am Champions Cup in Zürich wünschen. Und Sascha Rhyner ist ein guter Trainer, der hoffentlich lange und mit viel Erfolg in Dietlikon arbeiten und so für Kontinuität auf dem Trainerposten sorgt.