Archivbild, (Claudio Schwarz, unihockey-fotos.ch)

Simone Berner übernimmt Dietlikon

An der Bande des NLA-Spitzenteams Dietlikon kommt es auf nächste Saison hin zum Wechsel. Die Rekordinternationale Simone Berner wird neuer Chefcoach. Der Vertrag mit dem aktuellen Trainer Sascha Rhyner wird nicht verlängert.


Meisterschaft, Cup und Europacup: Simone Berner hat mit Dietlikon in den Jahren 2003 bis 2009 alles gewonnen, was es im Klub-Unihockey zu gewinnen gibt – mehrmals. Nun will Dietlikon mit Simone Berner an diese glanzvollen Zeiten anknüpfen. Dass es dem Verein, der in den vergangenen sechs Jahren abgesehen vom Cupsieg 2015 keinen grossen Erfolg mehr feiern konnte, mit dem Wechsel nicht nur um Titelgewinne geht, macht vor allem eine Tatsache klar: Coach Sascha Rhnyer hat in dieser Saison noch beste Chancen, mit dem Team den Schweizer Cup und die Meisterschaft zu gewinnen.

Trotzdem wird sein auslaufender Vertrag, der mit einer Option auf ein weiteres Jahr ausgestattet ist, nicht verlängert. «Das Team hat sich in der zweiten Amtszeit unter Sascha Rhyner nicht so weiterentwickelt, wie wir das gerne gesehen hätten», erklärt Präsident Antti Uimonen die Beweggründe. Hinzu kommt, dass der 42-jährige Journalist Rhyner als eher zurückhaltender Kommunikator gilt. Und das sei gerade im Frauen-Unihockey ein entscheidender Faktor. Mehr möchte der Präsident nicht dazu sagen, denn: «Sascha Rhyner ist ein ausgewiesener Unihockeyfachmann und wir haben immer gut mit ihm zusammen gearbeitet. Doch jetzt braucht es frischen Wind.» Und dass Simone Berner diesen bringt, davon ist Uimonen überzeugt.

Rückkehr in die Heimat

Dietlikon gewinnt mit der 34-jährige Rekordinternationalen (127 Länderspiele, 30 Tore), die bis zu ihrem Rücktritt 2013 lange Jahre Captain des Teams war, seine grosse Integrationsfigur zurück. «Dietlikon war und ist meine Unihockey-Heimat», sagt denn auch Simone Berner. Selbst in den vergangenen zwei Jahren, in denen sich Berner auf ihre neue Aufgabe als Assistenztrainerin des Frauen-Nationalteams konzentriert hat, ist der Kontakt zu ihrem Stammklub nie abgerissen. Mit Vize-Präsident Andi Rebsamen verbindet Berner eine jahrelange Freundschaft, er war es auch, der ihre Rückkehr schliesslich eingefädelt hat.

Wie solide die Vertrauensbasis ist, auf der sich die Parteien gefunden haben, zeigt sich darin, dass das Team bereits über den Wechsel informiert wurde, obwohl noch nichts unterschrieben ist. «Wir haben uns erst mündlich geeinigt», verrät Berner. «Angedacht ist ein Zweijahresvertrag, eventuell mit Option auf eine weitere Saison.» Sie freue sich sehr auf die Vereinsarbeit, erklärt die studierte Geografin weiter. «In einer Klubmannschaft ist die Zusammenarbeit viel enger und zeitintensiver als im Nationalteam, das bedeutet auch, dass ich mehr Einfluss nehmen, mein Ding durchziehen, kann.» Dass sie sich bei ihrem ersten Engagement als Cheftrainerin gleich an der nationalen Spitze des Frauenunihockeys exponiert, sieht Berner gelassen. «Um zu wissen, ob etwas funktioniert, muss man es probieren. Ich bin auf alle Fälle überzeugt, dass ich etwas bewirken kann.»

Klar ist: Simone Berner, die bis auf ihre Arbeit als Assistenztrainerin des Nationalteams keinerlei Coachingerfahrung vorzuweisen hat, ist diesbezüglich ein Rookie. Damit stellt sie für den Verein Chance und Risiko zugleich dar. Darum spricht Präsident Antti Uimonen bewusst von einer «Green Card», die Dietlikon vergebe – mit Überzeugung vergebe. Denn Uimonen kennt Berners Qualitäten als Führungskraft: «Wenn sie etwas anpackt, dann richtig», sagt er.

Rhyner bleibt bis Saisonende

Der UHC Dietlikon hat die Weichen also neu gestellt – und das mitten in einer Saison, in welcher das Team punkto Cupsieg und Meisterschaft auf Kurs liegt. Antti Uimonen sieht darin einen Teil des Geschäfts: «Wir brauchen Planungssicherheit, die Spielerinnen wollen wissen, unter wem sie in der kommenden Spielzeit antreten.» Dass die neue Konstellation bei Team und Trainer als Motivationsbremse wirken könnte, befürchtet Uimonen nicht: «Alle sind ehrgeizig genug, dass sie die Titel auch so holen wollen. Sascha Rhyner kann bis Ende Saison auf unsere volle Unterstützung zählen.» Rhyner zeigt sich zwar enttäuscht – «ich hätte mir gut vorstellen können, mit Dietlikon weiterzumachen» – bleibt aber sachlich: «Ich habe zwei grosse Ziele: Cup und Meisterschaft – daran hat die neue Situation nichts geändert.»